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Hyopsodus
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Hyopsodus ist eine Gattung aus der ausgestorbenen Familie der Hyopsodontidae, welche wiederum innerhalb der Höheren SĂ€ugetiere der umfangreichen, jedoch in sich nicht geschlossenen Gruppe der âCondylarthraâ zugewiesen wird. Die Gattung trat im Verlauf des EozĂ€ns vor gut 56 bis 36 Millionen Jahren auf. Nachweise liegen sowohl aus Nordamerika als auch aus Eurasien vor. In letzterer Region sind Funde eher spĂ€rlich und verteilen sich fleckenhaft ĂŒber Ostasien und Westeuropa. Dagegen nimmt Hyopsodus in ersterer einen hohen Anteil im Fossilaufkommen verschiedener Fundstellen ein. Das Fundgebiet erstreckt sich hier in einem Streifen von New Mexico im SĂŒden bis nach Saskatchewan im Norden.
Das ĂŒberwiegende Material setzt sich aus Gebissfragmenten und isolierten ZĂ€hnen zusammen, vollstĂ€ndige Skelette sind selten. Anhand der Funde lĂ€sst sich ein igel- bis murmeltiergroĂes Tier rekonstruieren, dessen Körperproportion mit einem gestreckten Körper und kurzen GliedmaĂen der eines Wiesels entsprach. Der Bewegungsapparat war wenig spezialisiert. Allgemein wird eine bodenlebende Fortbewegung geschlussfolgert, wobei auch gewisse Grab- und KletterbefĂ€higungen nicht auszuschlieĂen sind. Vermutlich kamen die Tiere entsprechend ihres Fundaufkommens in zahlreichen Landschaftstypen zurecht. Aufgrund einzelner Charakteristika im Gehirnaufbau und der Struktur des Innenohrs ist eine BefĂ€higung zur Echolokation in Diskussion. Die Gattung erhielt im Jahr 1870 ihre wissenschaftliche Erstbeschreibung. Im Verlauf der Forschungsgeschichte wurde teilweise eine nĂ€here Beziehung zu den Primaten angenommen. GegenwĂ€rtig sind rund zwei Dutzend Arten anerkannt.
Contents
âą Merkmale
âą Fossilfunde
⹠PalÀobiologie
âą Systematik
âą Literatur
âą Einzelnachweise
âą Weblinks
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Merkmale
Hyopsodus ist durch zahlreiches Fundmaterial vertreten, ĂŒberwiegend handelt es sich allerdings um Gebissfragmente und EinzelzĂ€hne mit nur wenigen vollstĂ€ndigen SchĂ€deln oder Skeletten. Der SchĂ€del war eher kurz und breit gebaut. Insgesamt Ă€hnelte er dem eines Igels, wies aber ein vergleichsweise lĂ€ngeres und schlankeres Rostrum auf. In Aufsicht schnĂŒrte er hinter der Orbita markant ein und verbreiterte sich dann im Gehirnbereich zunehmend, so dass etwa am SchlĂ€fenbein die maximale Breite erreicht wurde. Wiederum in Seitenansicht zog das Hinterhaupt deutlich nach hinten und oben aus, wodurch eine markante Eindellung in der Profillinie am HirnschĂ€del entstand. Die Jochbögen waren in Aufsicht ausladend und in Seitenansicht relativ dick. In gleicher Perspektive ragte der Mittelkieferknochen hoch auf und traf sich etwa auf der HĂ€lfte der LĂ€nge des Nasenbeins mit dem Oberkiefer. An letzterem öffnete sich auf Höhe des dritten PrĂ€molaren das Foramen infraorbitale. Ăber das Stirnbein verliefen zwei schwach ausgeprĂ€gte Temporallinien, die sich etwa bei der postorbitalen EinschnĂŒrung zu einem niedrigen Scheitelkamm vereinten. Auf der SchĂ€delunterseite war der Gaumen langgestreckt, am vorderen Ende gerundet und seitlich weit nach hinten bis zum hintersten Mahlzahn ragend. Die Glenoidgrube zur Gelenkung mit dem Unterkiefer bestand aus einer schwachen, seitlich orientierten Eindellung.cite-ref-matthew-1909-1-0[1]cite-ref-gazin-1968-2-0[2]
Der Unterkiefer maĂ bei einem vollstĂ€ndigen Exemplar 5,1 cm.cite-ref-grande-2013-3-0[3] Der horizontale Knochenkörper verjĂŒngte sich nur mĂ€Ăig nach vorn, bei einigen Formen vor allem im Bereich der bis zum dritten PrĂ€molaren ausgedehnten Symphyse am vorderen Ende. Die Unterkante verlief etwas gewellt. HĂ€ufig öffneten sich zwei bis drei Foramen mentale unterhalb des Abschnittes zwischen dem ersten und letzten PrĂ€molaren. Der Kronenfortsatz stieg mit einem gewölbten vorderen Rand auf, der hintere war hingegen senkrecht. Dadurch wirkte er nicht so zurĂŒckgelehnt wie bei Meniscotherium. Der Winkelfortsatz war recht groĂ, aber nicht ganz so nach hinten ausladend wie im Vergleich zu Meniscotherium. Der Gelenkfortsatz saĂ deutlich vor dem Winkelfortsatz, wies keinen Hals auf und verfĂŒgten ĂŒber eine breite GelenkflĂ€che. Am aufsteigenden Ast endete die Fossa masseterica vorn auf Höhe des letzten Mahlzahns. Sie wurde hier durch eine markante Knochenkante begrenzt.cite-ref-gazin-1968-2-1[2]cite-ref-flynn-1991-4-0[4]
Das Gebiss setzte sich aus der vollstĂ€ndigen Anzahl der ZĂ€hne der Höheren SĂ€ugetiere zusammen, insgesamt also 44 mit folgender Zahnformel: 3.1.4.3 3.1.4.3 {\displaystyle {\frac {3.1.4.3}{3.1.4.3}}} . Die ZĂ€hne standen geschlossen ohne auffĂ€llige ZahnlĂŒcken mit Ausnahme der vorderen ZĂ€hne der oberen Gebissreihe. Die oberen und unteren Schneide- und EckzĂ€hne sowie der jeweils erste PrĂ€molar waren einfach gestaltet und zumeist nagel- oder spatelartig geformt. Abseits des vergröĂerten inneren oberen Schneidezahns besaĂen sie eine jeweils gleiche GröĂe. Die oberen Molaren wiesen niedrige (brachyodonte) Zahnkronen und ein buckeliges (bunodontes) KauflĂ€chenmuster auf, ausgestattet mit vier Haupt- und zwei gröĂeren Nebenhöckern. Die vier Haupthöcker bildeten auf der Wangenseite der Metaconus und der Paraconus, auf der Zungenseite der Protoconus und der Hypoconus. Erstere drei waren relativ gleich groĂ und bildeten das typische und eher ursprĂŒngliche trituberculĂ€re Dreieck, letzterer stand auĂerhalb dieses und fehlte auf dem hintersten Molaren. Auf den unteren MahlzĂ€hnen dominierten auf dem höher gelagerten Trigonid das Protoconid und das Metaconid als spitz aufragende Höcker, auf dem niedrigeren Talonid das Hypoconid und das Entoconid. Diese Höcker waren durch Scherleisten miteinander verbunden, die den ZĂ€hnen ein eher mondsichelförmiges (selenodontes) KauflĂ€chenmuster verliehen. Sowohl bei den oberen wie bei den unteren MahlzĂ€hnen war der jeweils zweite vergröĂert. Hierbei erwies sich vor allem die GröĂe des unteren zweiten Molars als taxonomisch bedeutend. So besaĂen frĂŒhe Formen von Hyopsodus MolarenlĂ€ngen von 3,0 bis 4,0 mm, bei spĂ€teren bezifferte sich dies auf 4,8 bis 5,6 mm. Die gesamte untere Backenzahnreihe vom ersten PrĂ€molar bis zum letzten Molar erstreckte sich ĂŒber eine LĂ€nge von 20,1 bis 26,5 mm.cite-ref-matthew-1909-1-1[1]cite-ref-gazin-1968-2-2[2]cite-ref-hooker-1979-5-0[5]cite-ref-flynn-1991-4-1[4]
Das Körperskelett ist von mehreren Individuen ĂŒberliefert. Die WirbelsĂ€ule liegt bisher unvollstĂ€ndig vor, bekannt sind 7 Hals-, 20 Brust-, wenigstens drei Lenden- und 4 Kreuzbeinwirbel zuzĂŒglich zweier Schwanzwirbel. AuffĂ€llig waren die etwas gestreckten Halswirbel und die vergleichsweise hohe Anzahl an Brustwirbeln. Die GliedmaĂen zeigten einen insgesamt kurzen und stĂ€mmigen Bau. Am Oberarmknochen lag der Gelenkkopf weit oben, der seitlich davon stehende groĂe Knochenvorsprung erreichte nahezu dessen Höhe, war aber weniger deutlich entwickelt als bei Meniscotherium. Der kleine Knochenvorsprung zeichnete sich eher schwach ab. Ăber die HĂ€lfte der SchaftlĂ€nge erstreckte sich die deltopectorale Leiste. Das untere Gelenkende lud nur wenig aus, typischerweise trat zudem eine Knochenöffnung oberhalb der Gelenkrolle auf, wie es heute auch bei den Nagetieren oder Raubtieren der Fall ist. Die Unterarmknochen waren kurz, an der Elle setzte ein groĂes, etwas ĂŒberhĂ€ngendes Olecranon an. Der Oberschenkelknochen charakterisierte sich durch einen abgeflachten Gelenkkopf auf kurzem Hals. Der GroĂe und Kleine RollhĂŒgel waren eher schwach entwickelt, der Dritte RollhĂŒgel saĂ recht niedrig am Schaft. Das Schienbein erreichte nicht ganz die LĂ€nge des Oberschenkelknochens und war nicht mit dem Wadenbein verwachsen. Ăber die oberen zwei FĂŒnftel des Schaftes verlief eine markante Knochenrippe. HĂ€nde und FĂŒĂe besaĂen jeweils fĂŒnf Strahlen, in beiden FĂ€llen war der Mittelstrahl am stĂ€rksten ausgebildet, gefolgt von den innen und auĂen anliegenden Strahlen. Die einzelnen Glieder besaĂen eine kurze und breite Gestalt. Die jeweilige Endphalanx lief in einer stumpfen Spitze aus und war seitlich nicht verschmĂ€lert.cite-ref-matthew-1909-1-2[1]cite-ref-gazin-1968-2-3[2]
Fossilfunde
Hyopsodus ist mit zahlreichen Funden aus Nordamerika und Eurasien belegt. Im westlichen Teil Nordamerika gehört die Gattung zu den hĂ€ufigsten SĂ€ugetieren des PalĂ€ogens und stellt an einigen LokalitĂ€ten 10 bis teils ĂŒber 30 % des dokumentierten Fundmaterials.cite-ref-west-1979-6-0[6] Der GroĂteil der Fossilreste beschrĂ€nkt sich allerdings auf Gebissfragmente und ZĂ€hne, wĂ€hrend vollstĂ€ndige Skelette die Ausnahme bilden. Das die Gattung definierende Material stammt mit einem Unterkieferfragment aus der Bridger-Formation im Bridger-Becken im sĂŒdwestlichen Teil des US-Bundesstaates Wyoming und wurde bereits im Jahr 1870 vorgestellt.cite-ref-leidy-1870-7-0[7] Es reprĂ€sentiert die Art H. paulus, die eine vergleichsweise lange PrĂ€senz im Fossilbericht des westlichen Nordamerikas zeigt und vom entwickelten Unteren EozĂ€n vor gut 52 Millionen Jahren bis ĂŒber weite Abschnitte des Mittleren EozĂ€ns bis vor knapp 45 Millionen Jahren nachweisbar ist. Allein das Bridger-Becken erbrachte mehrere hundert Zahn- und Gebissfunde, zudem auch einzelne SchĂ€del und postcraniale Skelettreste.cite-ref-matthew-1909-1-3[1] Weitere Fossilien der Art in Form von einzelnen ZĂ€hnen sind etwa aus den oberen Abschnitten der Willwood-Formation im weiter nördlich gelegenen Bighorn-Becken des gleichen Bundesstaates berichtet worden, die aber als etwas Ă€lter eingestuft werden mĂŒssen als das Typusmaterial.cite-ref-gunnell-et-al-1992-8-0[8] Dem gegenĂŒber lassen sich einige wenige Funde aus der Tepee-Trail-Formation im nordwestlichen Wyoming nur allgemein dem Mittleren EozĂ€n zuordnen.cite-ref-flynn-1991-4-2[4] Etwa zeitgleich zu den Funden aus dem Bridger-Becken sind einzelne ZĂ€hne aus der Huerfano-Formation im sĂŒdlich an Wyoming anschlieĂenden Bundesstaat Colorado,cite-ref-robinson-1966-9-0[9] wĂ€hrend jene aus der Kishenehn-Formation im Kishenehn-Becken des nördlicher gelegenen Bundesstaates Montana etwas jĂŒnger datieren.cite-ref-dawson-et-al-2018-10-0[10]
H. paulus teilte sein zeitliches und rĂ€umliches Auftreten damals mit weiteren Vertretern der Gattung, die sich hĂ€ufig lediglich in ihrer unterschiedlichen GröĂe gegenseitig absetzen lassen. So förderte die Bridger-Formation im gleichnamigen Becken zusĂ€tzlich noch Gebissreste von H. minusculus zu Tage.cite-ref-leidy-1873-11-0[11] Die Art ist auch aus dem Bighorn-Becken belegt, stammt dort aber aus der Aycross-Formation, welche in der stratigraphischen Abfolge der Region der Willwood-Formation folgt und als zeitliches Pendant zur Bridger-Formation gesehen werden kann. Aus dem mittleren Abschnitt der Willwood-Formation wiederum wurden Zahnfunde von H. miticulus berichtet.cite-ref-gunnell-et-al-1992-8-1[8] Den Erstbeleg dieser Art erbrachte mit einem Unterkiefer die San-Jose-Formation im San-Juan-Becken im US-Bundesstaat New Mexico.cite-ref-cope-1874-12-0[12] Vergleichbar hierzu ist das Auftreten von H. walcottianus aus der Wind-River-Formation im Wind-River-Becken von Wyoming, von wo die Art anhand einzelner Kieferreste und eines HinterfuĂskeletts wissenschaftlich eingefĂŒhrt worden war.cite-ref-matthew-1915-13-0[13]cite-ref-guthrie-1971-14-0[14] Als bedeutend muss des Weiteren die Art H. wortmani hervorgehoben werden, die in der gleichen Gesteinseinheit entdeckt wurde. Sie stellt zudem einen wichtigen Bestandteil des Fossilberichts der Wasatch-Formation im sĂŒdwestlichen Wyoming dar.cite-ref-gazin-1952-15-0[15]cite-ref-gazin-1962-16-0[16]cite-ref-zonneveld-et-al-2000-17-0[17] Im dortigen Green-River-Becken verzahnt die Wasatch-Formation stark mit der Green-River-Formation. Letztere geht auf mehrere PalĂ€oseen zurĂŒck, von denen der westlichste, der sogenannte Fossil Lake, im Fossil Butte Member eine reichhaltige Fossilgemeinschaft hervorbrachte. Hierbei ist ein Skelettfund von H. wortmani herausragend, das zu den vollstĂ€ndigsten der Gattung ĂŒberhaupt gehört.cite-ref-grande-2013-3-1[3] Die Wasatch-Formation barg neben H. wortmani die ebenfalls zeitgleich nachgewiesene Art H. powellianus,cite-ref-gazin-1962-16-1[16]cite-ref-gunnell-et-al-2016-18-0[18] welche ebenfalls aus der Willwood-Formation vorliegt.cite-ref-matthew-1915-13-1[13]cite-ref-gazin-1952-15-1[15] Die meisten der genannten Arten sind rĂ€umlich und zeitlich weiter verbreitet. Einige Formen lassen sich hierbei als eher typisch fĂŒr die erste HĂ€lfte des Unteren EozĂ€n (H. miticulus, H. powellianus, H. walcottianus, H. wortmani) einstufen und reprĂ€sentieren lokalstratigraphisch das Wasatchium, andere bilden wiederum Charakterformen der zweiten HĂ€lfte des Unteren EozĂ€n und reichen teilweise bis in das Mittlere EozĂ€n (H. paulus, H. minusculus), was lokalstratigraphisch dem Bridgerium entspricht. Daneben sind noch einzelne Arten beschrieben, die momentan eher lokale Nachweispunkte besitzen. So lieferte die Willwood-Formation im Bighorn-Becken Zahnreste des sehr kleinen H. pauxillus, die dem mittleren Wasatchium angehören.cite-ref-gingerich-1994-19-0[19] Aus den obersten Abschnitten der Bridger-Formation im gleichnamigen Becken und damit aus dem ausgehenden Bridgerium sind wiederum einzelne ZĂ€hne und Kieferreste von H. lepidus dokumentiert.cite-ref-murphey-et-al-2017-20-0[20] Die Tepee-Trail-Formation im nordwestlichen Wyoming erbrachte zudem noch aus etwas jĂŒngeren Ablagerungen eine umfangreichere Kollektion von ZĂ€hnen und Gebissfragmenten von H. lovei. Die Art zeigt bereits das lokalstratigraphisch auf dem Bridgerium folgende Uintum und somit das beginnende Mittlere EozĂ€n an.cite-ref-flynn-1991-4-3[4]
Die stammesgeschichtlich Ă€ltesten Nachweise der Gattung Hyopsodus indes datieren an den Beginn des Unteren EozĂ€n und lokalstratigraphisch des Wasatchium vor rund 56 Millionen Jahren. Als besonders urtĂŒmlich wird hierbei H. loomisi eingestuft. Erstmals beschrieben anhand eines Oberkieferfragments vom Four Mile Creek im Washakie-Becken des nordwestlichen Colorado, liegen weitere Belege der Art in Form von isolierten ZĂ€hnen und Gebissresten auch aus dem Kontaktbereich der Fort-Union-Formation mit der Willwood-Formation im Bighorn-Beckencite-ref-rose-et-al-2012-21-0[21] und ebenfalls aus den Basalbereichen der Willwood-Formation im Clarks-Fork-Becken jeweils im nördlichen Wyoming vor.cite-ref-gingerich-1989-22-0[22] Allein im Bighorn-Becken stellt H. loomisi gut 17 % des gesamten Fundmaterials jener Zeit. Die jĂŒngsten Funde von Hyopsodus hingegen werden H. sholemi und H. uintensis zugesprochen. Letztere Art wurde ursprĂŒnglich anhand eines Oberkieferfragments und einzelner Unterkiefer aus der Uinta-Formation im Uinta-Becken des US-Bundesstaates Utah benannt.cite-ref-osborn-1902-23-0[23] Weitere Funde sind aus der Wiggins-Formation im zentralen Wyoming berichtet worden.cite-ref-krishtalka-1979-24-0[24] Ebenso wird die Art fĂŒr die Lokalfauna des Swift Current Creek der Cypress-Hills-Formation in der kanadischen Provinz Saskatchewan angenommen. Allerdings gilt dieses Material teilweise auch zu H. fastigatus gehörig, zumal die Erstbeschreibung der Art an den dortigen Fossilien erfolgte.cite-ref-storer-1996-25-0[25] Alle genannten Fundpunkte lassen sich lokalstratigraphisch dem spĂ€ten Uintum und damit dem ausgehenden Mittleren EozĂ€n zuweisen. H. sholemi wiederum reprĂ€sentiert eine Form des nachfolgenden Duchesneum und somit des beginnenden Oberen EozĂ€n. Dokumentiert wurde sie ĂŒber mehrere Kieferreste aus der Climbing-Arrow-Formation in Montana.cite-ref-krishtalka-1979-24-1[24] Der letzte Nachweis von Hyopsodus in Nordamerika ist im beginnenden Chadronium zu verzeichnen und somit rund 36 Millionen Jahre alt. Zu dieser Zeit war die Gattung aber bereits sehr selten.cite-ref-janis-et-al-1998-26-0[26]cite-ref-bai-et-al-2021-27-0[27]
Schon kurz nach dem ersten Auftreten von Hyopsodus in Nordamerika ist die Gattung auch in Eurasien belegt. In Europa treten hierbei zu Beginn des Unteren EozĂ€n H. wardi und H. itinerans auf. Erstere Art wurde anhand eines OberkieferbruchstĂŒcks zuzĂŒglich zwei Dutzend weiterer ZĂ€hne und Kieferteile aus dem Lessness Shell Bed innerhalb der Blackheath Beds bei London wissenschaftlich eingefĂŒhrt, weiteres Fundmaterial stammt aus dem Pariser Becken.cite-ref-hooker-1979-5-1[5]cite-ref-hooker-et-al-2005-28-0[28] Letztere ist ĂŒber einzelne ZĂ€hne und einem Unterkiefer aus Rians im sĂŒdlichen Frankreich bekannt.cite-ref-godinot-1981-29-0[29] Ăhnlich alt sind zudem Fossilreste von H. orientalis aus Tsagan Kushu bei Naran Bulak in der Mongolei. Die genannten Formen Ă€hneln dem nordamerikanischen H. loomisi deutlich, zeigen aber bezĂŒglich der Zahnmorphologie bereits modernere Merkmale. Es ist daher zu vermuten, dass der Ursprung von Hyopsodus in Nordamerika lag, die Ausbreitung nach Eurasien sich aber sehr rasch vollzogen haben muss.cite-ref-hooker-et-al-2003-30-0[30] FĂŒr das östliche Asien sind noch weitere Fossilfunde von Hyopsodus verzeichnet, die allerdings in den mittleren Abschnitt des Unteren EozĂ€n gehören. Sie verteilen sich auf mehrere Arten, basierend jeweils auf einem einzelnen Unterkieferfragment als Belegexemplar. Das erste wurde aus der Shisanjianfang-Formation in der Turpan-Senke geborgen und ist mit H. turpanensis verbunden, ein weiteres aus der Ăqbulak-Formation im Junggar-Becken stellt das Typusexemplar von H. huashigouensis dar. Beide Fundstellen liegen in der nordwestchinesischen autonomen Region Xinjiang. Ein drittes BruchstĂŒck aus der Youping-Formation aus der zentralchinesischen Provinz Hubei wurde der H. fangxianensis zugerechnet.cite-ref-tong-1989-31-0[31]cite-ref-huang-1995-32-0[32] Im Vergleich zu den reichhaltigen nordamerikanischen Funden ist Hyopsodus in Eurasien somit bisher nur spĂ€rlich ĂŒberliefert. Vermutlich verschwand die Gattung dort wieder recht schnell. Lediglich H. arshantensis hielt sich noch bis zum Beginn des Mittleren EozĂ€ns. Von dieser Form ist ebenfalls nur ein fragmentierter Unterkiefer aus der Arshanto-Formation im Erlian-Becken in der Inneren Mongolei dokumentiert worden. Danach bricht der Nachweis von Hyopsodus in Eurasien vor rund 47 Millionen Jahren ab.cite-ref-bai-et-al-2021-27-1[27]
PalÀobiologie
Das bekannte Skelettmaterial verweist auf Tiere von der GröĂe eines Igels bis hin zu einem Murmeltier. SchĂ€tzungen des Körpergewichts reichen von 326 bis 854 g, aufgrund der von anderen Huftieren abweichenden Körperproportionen können die Werte aber nur als NĂ€herung angesehen werden. In der Körperform bestanden die gröĂten Ăbereinstimmungen mit heutigen Wieseln oder PrĂ€riehunden. Demnach war der Körper langgestreckt und die GliedmaĂen kurz. HĂ€nde und FĂŒĂe verfĂŒgten jeweils ĂŒber fĂŒnf Finger und Zehen. Einige skelettanatomische Merkmale wie eine Knochenöffnung oberhalb des unteren Gelenkendes am Oberarmknochen, der Bau des Ellenbogengelenks selbst oder eine krĂ€ftige Knochenaufrauhung am Sitzbein fĂŒr den Ansatz der GesĂ€Ă- und Hinterbeinmuskulatur sowie eine tiefe Eindellung der Gelenkrolle des Oberschenkelknochens sprechen fĂŒr eine eher bodengebundene (terrestrische) Fortbewegung, bei der die Tiere durchaus schnell laufen konnten. Im Gegensatz zu extrem schnellen LĂ€ufern waren aber die Unterschenkelknochen nicht miteinander verwachsen. DarĂŒber hinaus unterstĂŒtzen die kurzen Krallen an HĂ€nden und FĂŒĂen und die nur flache Eindellung der Gelenkrolle des Sprungbeins auch eine grabende beziehungsweise wĂŒhlende (fossoriale) Lebensweise, etwa auf der Suche nach Nahrung oder zum Anlagen unterirdischer Baue. Prinzipiell könnte dies auch auf eine baumkletternde (arborikole) AktivitĂ€t hinweisen, doch gibt wiederum die Gestaltung des Ellenbogengelenks keine Hinweise auf eine hochspezialisierte Anpassung an das Leben im GeĂ€st an. Demnach scheint Hyopsodus eher ein Generalist gewesen zu sein, der in verschiedenen Habitaten zurechtkam, was auch das relativ groĂe Fundaufkommen unterstreicht.cite-ref-gazin-1968-2-4[2]cite-ref-rose-2006-33-0[33]cite-ref-orliac-et-al-2012-34-0[34]
Anhand einzelner vollstĂ€ndiger SchĂ€del lĂ€sst sich ein Gehirnvolumen von 2,8 bis 3,2 cmÂł bestimmen. Bezogen auf das Körpergewicht wĂŒrde dies einem Enzephalisationsquotienten von 0,25 bis 0,7 entsprechen. Die Werte liegen ĂŒber jenen, die fĂŒr mehrere andere urtĂŒmliche Huftiere ermittelt wurden und nĂ€hern sich jenen basaler Unpaarhufer. AuffĂ€llig sind bei Hyopsodus einerseits die groĂen Riechkolben als eher ursprĂŒngliches Merkmal ebenso wie die vergleichsweise gut entwickelten Colliculi inferiores am Mittelhirn als modernere Charakteristika. Dies deutet auf ein gut entwickeltes Gehör, was unter rezenten SĂ€ugetieren zumeist einhergeht mit einem reduzierten Sehsinn, etwa bei nachtaktiven oder unterirdisch lebenden Tieren. Einige Forscher vermuten, dass Hyopsodus seinen Hörsinn fĂŒr die Wahrnehmung von Echoortungsrufen nutzte, Ă€hnlich wie es von einigen heutigen Tenreks oder SpitzmĂ€usen bekannt ist. Diese erzeugen mit Hilfe von Zungenklicks Rufe, mit denen sie sich in der nĂ€chtlichen Umgebung orientieren.cite-ref-gazin-1968-2-5[2]cite-ref-orliac-et-al-2012-34-1[34] Allerdings unterstĂŒtzt der Bau des Innenohrs von Hyopsodus diese Ansicht nicht vollstĂ€ndig. Die Hörschnecke besitzt etwa zweieinhalb Windungen (765 bis 792°), wĂ€hrend es sich bei den Tenreks und SpitzmĂ€usen auf rund eineinhalb belĂ€uft. Bei den beiden letztgenannten ist die Lamina spiralis secundaria an der Basiswindung der Hörschnecke deutlich ausgedehnter als bei Hyopsodus, aber wiederum kĂŒrzer als bei den Fledertieren. Allerdings konnte Hyopsodus aufgrund der engen Position der Hörschnecken zueinander Laute in einem Frequenzbereich von schĂ€tzungsweise 0,2 bis 76.8 kHz wahrnehmen. Der obere Wert schlieĂt dabei jene der fĂŒr die Echoortung notwendigen Abschnitte (> 20 kHz) ein.cite-ref-ravel-et-al-2015-35-0[35]
Systematik
Hyopsodus ist eine Gattung aus der ausgestorbenen Familie der Hyopsodontidae. In der Regel wird die Familie der Gruppe der âCondylarthraâ zugewiesen, einer vielgestaltigen, allerdings in sich nicht geschlossenen Einheit frĂŒher, teils huftragender landlebender SĂ€ugetiere, die im Deutschen auch als âUrhuftiereâ bezeichnet wird. Innerhalb der Condylarthra bilden die Hyopsodontidae eine eigenstĂ€ndige Gruppe, bestehend aus mehr als einem Dutzend Gattungen. Sie traten vorwiegend im PalĂ€ogen in gesamt Eurasien sowie in Nord- und SĂŒdamerika auf, wobei die Ă€ltesten Nachweise von letzteren beiden Kontinentalmassen stammen. Einige Autoren schlieĂen zusĂ€tzlich die Mioclaenidae in die Hyopsodontidae mit ein, was aber nicht immer geteilt wird. In einigen Auffassungen gilt die Gruppe als nahe verwandt mit den Paarhufern (Artiodactyla), den SĂŒdamerikanischen Huftieren (Meridiungulata) oder den Afrotherien. Die einzelnen Verbindungen basieren in der Regel auf Zahnmerkmalen und unter UmstĂ€nden auch auf der AusprĂ€gung der FuĂknochen. Letzteres trifft vor allem auf die Apheliscidae zu, die teilweise innerhalb der Hyopsodontidae gefĂŒhrt werden, anderen Autoren zufolge aber eher den RĂŒsselspringern nahestehen.cite-ref-zack-et-al-2005-37-0[37]cite-ref-zack-et-al-2005b-38-0[38]cite-ref-penkrot-et-al-2008-39-0[39] Hyopsodus bildet die Charakterform und einen der am hĂ€ufigsten nachgewiesenen Vertreter der Hyopsodontidae. Er ist hauptsĂ€chlich im EozĂ€n sowohl in Eurasien als auch in Nordamerika nachgewiesen.cite-ref-hooker-et-al-2003-30-1[30]cite-ref-rose-2006-33-1[33]cite-ref-halliday-et-al-2017-40-0[40]
Es werden rund zwei Dutzend Arten von Hyopsodus unterschieden, die sich auf Nordamerika und Eurasien verteilen:cite-ref-bai-et-al-2021-27-2[27]
âą Nordamerika:
H. despiciens Matthew, 1909 H. fastigatus Russell & Wickenden, 1933 H. latidens Denison, 1937 H. lepidus Matthew, 1909 H. loomisi McKenna, 1960 H. lovei Flynn, 1991 H. marshi Osborn, 1902 H. mentalis (Cope, 1875) H. minor Loomis, 1905 H. minusculus Leidy, 1873 H. miticulus (Cope, 1874) H. paulus Leidy, 1870 H. pauxillus Gingerich, 1994 H. powellianus Cope, 1884 H. sholemi Krishtalka, 1979 H. tonksi Eaton, 1982 H. uintensis Osborn, 1902 H. walcottianus Matthew, 1915 H. wortmani Osborn, 1902
âą Eurasien:
H. arshantensis Bai, Wang, Zhang & Meng, 2021 H. fangxianensis Huang, 1995 H. huashigouensis Tong, 1989 H. itinerans Godinot, 1978 H. orientalis Dashzeveg, 1977 H. turpanensis Zhai, 1978 H. wardi Hooker, 1979
Als Nominatform gilt H. paulus. Es ist nicht eindeutig, inwiefern alle aufgefĂŒhrten Arten auch tatsĂ€chlich gĂŒltig sind, da dies von einzelnen Autoren unterschiedlich gehandhabt wird. Dennoch wurden im Laufe der Forschungsgeschichte zahlreiche weitere Arten eingefĂŒhrt, etwa H. browni, H. jacksoni, H. lawsoni, H. lysitensis oder H. simplex, die als synonym zu bereits zuvor definierten Arten gelten.cite-ref-gazin-1968-2-6[2] Einige Wissrnschaftler verweisen das nordamerikanische H. loomisi und das zentralasiatische H. orientalis in die Gattung Asiohyopsodus, der zusĂ€tzlich noch das ostasiatische A. confuciusi angehört. Dies wird aber weitgehend nicht geteilt, da erstere beiden zu deutlich gemeinsame Merkmale mit den anderen Vertretern der Gattung Hyopsodus zeigen. Dadurch wird auch die EigenstĂ€ndigkeit der Gattung Asiohyopsodus angezweifelt, der Verbleib von A. confuciusi ist aber uneindeutig. Ebenso wurde vorgeschlagen, die beiden europĂ€ischen Arten H. wardi und H. itinerans in eine eigenstĂ€ndige Gattung auszugliedern, was ebenfalls bisher auf Ablehnung stieĂ.cite-ref-rose-et-al-2012-21-1[21]cite-ref-bai-et-al-2021-27-3[27]
Forschungsgeschichte
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von Hyopsodus stammt von Joseph Leidy und wurde von ihm im Jahr 1870 veröffentlicht. Die Gattung gehört damit zu den ersten fossilen SĂ€ugetierformen des nordamerikanischen EozĂ€n, die bekannt wurden und heute noch GĂŒltigkeit besitzen. Leidy verwendete hierfĂŒr einen rechten Unterkiefer mit den erhaltenen drei Molaren (Exemplarnummer USNM 1176), der ursprĂŒnglich von Ferdinand Vandeveer Hayden in der Bridger-Formation im gleichnamigen Becken im US-Bundesstaat Wyoming gesammelt worden war. Begleitend zur Gattung benannte Leidy auch die Art H. paulus. In seiner nur wenige Zeilen umfassenden Erstbeschreibung gab er eine Verwandtschaft von Hyopsodus mit den âDickhĂ€uternâ an und rĂŒckte seine neue Gattung in die NĂ€he der Schweine.cite-ref-leidy-1870-7-1[7] Deutlich ausfĂŒhrlichere Darstellungen und umfassendere Vergleiche veröffentlichte Leidy in den nachfolgenden Jahren, wobei er hierbei mit H. minusculus auch eine weitere Art definierte.cite-ref-leidy-1872-41-0[41]cite-ref-leidy-1872b-42-0[42]cite-ref-leidy-1873-11-1[11]
In der darauffolgenden Zeit beschĂ€ftigten sich mehrere weitere nordamerikanische Forscher mit Hyopsodus. Hierzu zĂ€hlen unter anderem Othniel Charles Marshcite-ref-marsh-1871-43-0[43] und Edward Drinker Cope,cite-ref-cope-1872-44-0[44]cite-ref-cope-1873-45-0[45] welche aufgrund eines rasch ansteigenden Fossilmaterials zahlreiche Arten etablierten, die jedoch aus heutiger Sicht nicht alle Hyopsodus reprĂ€sentieren DarĂŒber hinaus wurden mehrere Gattungen benannt, die sich im Nachhinein als teilweise oder vollstĂ€ndig identisch mit Hyopsodus herausstellten. Zu erwĂ€hnen wĂ€ren hier Stenacodon von Marsh 1872cite-ref-marsh-1872-46-0[46] oder Esthonyx von Cope 1874.cite-ref-cope-1874-12-1[12] Als mitunter problematisch erwies sich die teils starke Fragmentierung des Fundmaterials. Das deutlich buckelige (bunodonte) Kaumuster der BackenzĂ€hne verleitete die frĂŒhen Forscher dadurch zu Verwechselungen mit ausgestorbenen Primaten, so dass einiges des damals vorgestellten Materials heute eher mit den Adapiformes wie etwa Smilodectes oder Notharctos oder den Plesiadapiformes wie Microsyops in Verbindung gebracht wird. Marsh wiederum etablierte im Jahr 1875 die Gattung Lemuravus basierend auf einem Teilskelett aus Wyoming und ordnete diese innerhalb der ebenfalls von ihm erhobenen Familie der Lemuravidae ein, in welche er auch Hyopsodus einschloss. Die Lemuravidae wiederum rĂŒckte er in die NĂ€he der Lemuren.cite-ref-marsh-1875-47-0[47] Dass Lemuravus lediglich als ein Synonym von Hyopsodus fungiert, klĂ€rte erst Henry Fairfield Osborn im Jahr 1902 auf, die Stellung innerhalb der Primaten korrigierte er indes nicht.cite-ref-osborn-1902-23-1[23]cite-ref-gazin-1968-2-7[2]
Die genauen phylogenetischen VerwandtschaftsverhĂ€ltnisse von Hyopsodus blieben lĂ€ngere Zeit ungeklĂ€rt. Die anfangs von Leidy propagierte nĂ€here Beziehung zu den âDickhĂ€uternâ wurde von ihm selbst spĂ€ter mit den Unpaarhufern stĂ€rker spezifiziert.cite-ref-leidy-1873-11-2[11] Einige Forscher wie Cope ĂŒbernahmen dies, doch mit dem Verweis der Gattung zu den Primaten durch Marsh wurde dieses VerwandtschaftsverhĂ€ltnis relativ zĂŒgig akzeptiert und von zahlreichen Forschern ĂŒbernommen. Ădouard Louis Trouessart benannte im Jahr 1879 die Familie der Hyopsodontidae (von ihm als Hyopsodinae bezeichnet), die er den Adapiformes zuschlug.cite-ref-trouessart-1879-48-0[48] Der Name war in der Folgezeit nur wenig in Gebrauch und etablierte sich erst mit der Synonymisierung von Lemuravus mit Hyopsodus durch Osborn 1902. Osborn wies die Urheberschaft jedoch Max Schlosser zu,cite-ref-osborn-1902-23-2[23] der diese Bezeichnung im Jahr 1887 in seiner Abhandlung ĂŒber die fossilen Affen und Lemuren Europas allerdings in Anlehnung an Trouessart verwendet hatte.cite-ref-schlosser-1887-49-0[49] Einige Autoren des ausgehenden 19. Jahrhunderts sahen hingegen die Verankerung von Hyopsodus innerhalb der Affen als nicht so streng. So etwa verwies Cope im Jahr 1877 die Gattung und ihre Verwandtschaftsgemeinschaft zusammen mit den Pantolesta in eine von ihm als Mesodonta benannte Gruppe, der er eine Vermittlerrolle zwischen den Creodonta und den Halbaffen zusprach,cite-ref-cope-1877-50-0[50] was unter anderem bedingt auch Trouessart teilte.cite-ref-gazin-1968-2-8[2]
Eine erste Zuordnung zu den âCondylarthraâ geht auf Maria Pavlova zurĂŒck. In mehreren, ab dem Jahr 1887 erschienenen Ăbersichten ĂŒber fossile Huftiere rĂŒckte sie Hyopsodus in die NĂ€he von Phenacodus und Tetraclaenodon als typische Vertreter der âUrhuftiereâ.cite-ref-pavlova-1887-51-0[51]cite-ref-pavlova-1899-52-0[52] Die Ansicht stieĂ weitgehend auf Kritik, so unter anderem von Schlosser, der sich im Jahr 1903 in einer Rezension von Pavlovas Werk zur Stellung der Gattung mit den Worten âist ja ein Primat!â ablehnend Ă€uĂerte.cite-ref-schlosser-1903-53-0[53] Allerdings zweifelte im gleichen Jahr auch Jacob Lawson Wortman eine Beziehung von Hyopsodus mit den Primaten an und sah eher Ăhnlichkeiten mit insektenfressenden SĂ€ugetieren.cite-ref-wortman-1903-54-0[54] SchlieĂlich verschob William Diller Matthew im Jahr 1915 nach einem eingehenden Studium des Fundmaterials in einer Revision der Gattung Hyopsodus und ihrer Verwandtschaft die gesamte Gruppe der Hyopsodontidae zu den âCondylarthraâ,cite-ref-matthew-1915-13-2[13] was spĂ€ter nicht nur George Gaylord Simpson in seine generelle Taxonomie der SĂ€ugetiere ĂŒbernahm,cite-ref-simpson-1945-55-0[55] sondern auch bis heute geteilt wird.cite-ref-gazin-1968-2-9[2]cite-ref-bai-et-al-2021-27-4[27]
Als Hauptfundgebiet fĂŒr Hyopsodus erwies sich das westliche Nordamerika in einem Streifen vom US-Bundesstaat New Mexico ĂŒber Colorado, Wyoming und Montana bis in die kanadische Provinz Saskatchewan hinein. Dennoch wurde bereits im Jahr 1891 die Anwesenheit der Gattung auch in Europa proklamiert, als Ludwig RĂŒtimeyer zwei ZĂ€hne aus der bedeutenden eozĂ€nen Fundstelle von Egerkingen in der nördlichen Schweiz unter der Bezeichnung H. jurensis beschrieb.cite-ref-r-timeyer-1891-56-0[56] In einer erneuten Begutachtung des Fundmaterials durch Max Schlosser nur wenige Jahre spĂ€ter erkannte dieser darin aber Reste eines Paarhufers.cite-ref-schlosser-1894-57-0[57] Gut 30 Jahre nach RĂŒtimeyer gaben Pierre Teilhard de Chardin und Charles Fraipont Hyopsodus fĂŒr die belgische Fundstelle Vinalmont an und fĂŒhrten als Beleg einen einzelnen unteren Mahlzahn auf.cite-ref-chardin-et-al-1921-58-0[58] Auch dieser Verweis wurde spĂ€ter in einer Revision der Gattung durch C. Lewis Gazin im Jahr 1968 abgelehnt.cite-ref-gazin-1968-2-10[2] Dennoch konnten rund eine Dekade spĂ€ter erstmals belastbare Belege fĂŒr das Auftreten von Hyopsodus sowohl in Westeuropa als auch in Ostasien vorgestellt werden, der nachfolgend noch weitere folgten.cite-ref-bai-et-al-2021-27-5[27]
Literatur
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Einzelnachweise
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Weblinks